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FREI

Der Schimmelreiter

Novelle

von Storm, Theodor   (Autor)

Der Schimmelreiter", den Storm noch kurz vor seinem Tod vollendete, ist die herausragendste Novelle des Dichters. In ihr zeigt Theodor Storm den Aufstieg des Hauke Haien zum Deichgrafen. Dieser will seine Fähigkeiten durch den Bau eines neuartigen Deiches unter Beweis stellen, weil es heißt, er habe die Position nur seiner Frau zu verdanken. Spannungen und der Kampf mit seiner Umwelt lassen Hauke Haien schließlich zugrunde gehen: Als er eine schwache Stelle im Deich nicht genügend absichert, ertrinkt bei einer Sturmflut zuerst seine Frau mit dem Kind. Daraufhin stürzt er sich mit seinem Schimmel an der durchbrochenen Stelle des Deiches ins Meer, um seine Schuld zu tilgen. Wie schon in seinen früheren Novellen ist Storm auch in dieser "hinreißenden Symphonie der Meeresstimmen" (E. Schmidt) von dem Problem der persönlichen Schuld abgerückt. Ein Nachwort und ausführliche Anmerkungen helfen dem Leser.

Buch (Kartoniert)

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Produktbeschreibung

Der Schimmelreiter", den Storm noch kurz vor seinem Tod vollendete, ist die herausragendste Novelle des Dichters. In ihr zeigt Theodor Storm den Aufstieg des Hauke Haien zum Deichgrafen. Dieser will seine Fähigkeiten durch den Bau eines neuartigen Deiches unter Beweis stellen, weil es heißt, er habe die Position nur seiner Frau zu verdanken. Spannungen und der Kampf mit seiner Umwelt lassen Hauke Haien schließlich zugrunde gehen: Als er eine schwache Stelle im Deich nicht genügend absichert, ertrinkt bei einer Sturmflut zuerst seine Frau mit dem Kind. Daraufhin stürzt er sich mit seinem Schimmel an der durchbrochenen Stelle des Deiches ins Meer, um seine Schuld zu tilgen. Wie schon in seinen früheren Novellen ist Storm auch in dieser "hinreißenden Symphonie der Meeresstimmen" (E. Schmidt) von dem Problem der persönlichen Schuld abgerückt. Ein Nachwort und ausführliche Anmerkungen helfen dem Leser. 

Leseprobe

Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau
Senator Feddersen, kundgeworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht
mehr zu entsinnen, ob von den "Leipziger" oder von "Pappes
Hamburger Lesefrüchten". Noch fühl ich es gleich einem Schauer, wie dabei die linde Hand der über Achtzigjährigen mitunter
liebkosend über das Haupthaar ihres Urenkels hinglitt. Sie selbst
und jene Zeit sind längst begraben; vergebens auch habe ich seitdem jenen Blättern nachgeforscht, und ich kann daher um so weniger weder die Wahrheit der Tatsachen verbürgen, als, wenn jemand sie bestreiten wollte, dafür aufstehen; nur
versichern, daß ich sie seit jener Zeit, obgleich sie durch keinen
äußeren Anlaß in mir aufs neue belebt wurden, niemals aus dem
Gedächtnis verloren habe.

Es war im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts, an einem Oktober-Nachmittag - so begann der damalige Erzähler -, als ich
bei starkem Unwetter auf einem nordfriesischen Deich entlang
ritt. Zur Linken hatte ich jetzt schon seit über einer Stunde die
öde, bereits von allem Vieh geleerte Marsch, zur Rechten, und
zwar in unbehaglichster Nähe, das Wattenmeer der Nordsee;
zwar sollte man vom Deiche aus auf Halligen und Inseln sehen
können; aber ich sah nichts als die gelbgrauen Wellen, die unaufhörlich wie mit Wutgebrüll an den Deich hinaufschlugen und
mitunter mich und das Pferd mit schmutzigem Schaum bespritzten; dahinter wüste Dämmerung, die Himmel und Erde nicht unterscheiden ließ; denn auch der halbe Mond, der jetzt in der Höhe
stand, war meist von treibendem Wolkendunkel überzogen. Es
war eiskalt; meine verklommenen Hände konnten kaum den Zügel halten, und ich verdachte es nicht den Krähen und Möwen, die
sich fortwährend krächzend und gackernd vom Sturm ins Land
hineintreiben ließen. Die Nachtdämmerung hatte begonnen, und
schon konnte ich nicht mehr mit Sicherheit die Hufen meines
Pferdes erkennen; keine Menschenseele war mir begegnet, ich
hörte nichts als das Geschrei der Vögel, wenn sie mich oder meine
treue Stute fast mit den langen Flügeln streiften, und das Toben
von Wind und Wasser. Ich leugne nicht, ich wünschte mich mitunter in sicheres Quartier.

Das Wetter dauerte jetzt in den dritten Tag, und ich hatte mich
schon über Gebühr von einem mir besonders lieben Verwandten
auf seinem Hofe halten lassen, den er in einer der nördlicheren... 

Autoreninfo

Theodor Storm, geb. am 14. September 1817 in Husum. Der Rechtsanwalt wurde 1852 von den Dänen wegen politischer Opposition ausgewiesen und kehrte 1864 als Landvogt in seine nun deutsch gewordene Heimatstadt zurück. Ab 1879 war Storm Amtsgerichtsrat. Er starb am 4. Juli 1888 in Hademarschen. Storm gilt als einer der wichtigsten Vertreter des poetischen Realismus. In seinem Werk ist Storm thematisch den Menschen und der Landschaft seiner Heimat zugewandt und als Künstler der Spätromantik verpflichtet, besonders in seiner liedhaft-innigen, formstrengen Natur- und Bekenntnislyrik. Seine Hauptleistung aber liegt in der Novelle. 58 solcher Novellen umfasst sein Werk, das von lyrisch gestimmten und wehmütig verklärenden Texten bis zu realistischen, stark handlungsbetonten Schicksals- und Chroniknovellen reicht. Immer wieder stellt Storm dabei die menschlichen Leidenschaften und den Kampf des einzelnen gegen überlegene Mächte mit herber, oft tragischer Gefasstheit dar.  

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Hamburger Lesehefte

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Mehr vom Autor:

Storm, Theodor

Produktdetails

Medium: Buch
Format: Kartoniert
Seiten: 112
Sprache: Deutsch
Erschienen: o.J.
Maße: 203 x 129 mm
Gewicht: 96 g
ISBN-10: 3872910019
ISBN-13: 9783872910011
Verlagsbestell-Nr.: 2067196

Bestell-Nr.: 250997 
Libri-Verkaufsrang (LVR): 3063
Libri-Relevanz: 400 (max 9.999)
Bestell-Nr. Verlag: 2067196

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KNO: 00322730
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KNO-SAMMLUNG: Hamburger Lesehefte 2
KNOABBVERMERK: 2019. 112 S. 20 cm
KNOMITARBEITER: Bearbeitung: Bruckner, F.; Sternelle, Kurt
Einband: Kartoniert
Sprache: Deutsch
Beilage(n): PB

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